Wozu das Ganze?
Die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland vermittelte dem durchschnittlichen Konsumenten bzw. der durchschnittlichen Konsumentin ein heiles Weltbild einer durch den Sport vermittelten Friedensinitiative. Dabei fielen bereits während dieser medienträchtigen Großveranstaltung „unangenehme Begleiterscheinungen” (z.B. Hooliganschlachten beim „Public Viewing Event” in Dortmund und Stuttgart) einer subtilen Zensur zum Opfer.
Spätestens nach dieser wohlinszenierten internationalen Show finden in den Ländern der Welt die Schattenseiten des Fußballs wieder öffentlich Erwähnung. Antisemitische Hetzjagden von französischen Hooligans in Paris, Ausschreitungen zwischen Ultras und Polizisten in Catania mit jeweils einem Todesopfer und nicht zuletzt Krawalle von Leipziger Hooligans gegen die Amateure von Wismut Aue stellen nur eine willkürliche Auswahl von schockierenden Ereignissen dar, die belegen, dass sich der Fußballsport trefflich eignet, rassistische, antisemitische und homophobe Weltanschauungen zu kultivieren und zu implementieren.
Warum ausgerechnet in Potsdam?
Die Fanszene des Potsdamer Regionalligisten SV Babelsberg 03 beansprucht im Unterschied zu vielen anderen weltweit agierenden Fans einen antirassistischen und politisch emanzipierten Ansatz: dies schließt das Bemühen um die Verbreitung und Reproduktion der gelebten Standards auch in die jüngere Fanszene mit ein. Dies geschieht nicht ohne Grund, da sich innerhalb einer nachwachsenden Generation ein tendenziell unpolitischer Habitus mit unreflektiert kommerziellem Verhalten verbindet und einfach strukturierten menschenverachtenden Weltmodellen Vorschub leistet.
Ziele der Veranstaltungswoche
Im Gegensatz zur Veranstaltungswoche im November 2007 werden wir diesmal nicht ausschließlich anhand ausgewählter Beispiele aus verschiedenen Ländern Parallelen im Umgang mit Rassismus und Homophobie in Fußballstadien ziehen. Vielmehr wollen wir an die Woche im Herbst anknüpfen und mit den Schwerpunkten Frauen im Fußball sowie einer kurze Lageeinschätzung vor der anstehenden Europameisterschaft eine Art kulturelles Programm mit verschiedenen Filmen präsentieren.
Dabei gehen wir weiterhin von der These aus, dass der Fußballsport vermag als Funktionsbereich in einzigartiger Weise tief verwurzelte reaktionäre gesellschaftliche Gesamtentwicklungen widerzuspiegeln. Insofern dient die Veranstaltung der Sensibilisierung der BesucherInnen für die oben genannten Thematiken um der kritischen Reflexion willen und der Möglichkeiten ihrer Bekämpfung. Diese Woche soll Auftaktveranstaltung für weitere dieser Art mit dem Fokus auf den Fußballsport im internationalen Kontext sein.
Zielgruppe der Veranstaltungswoche
Adressat_innen dieser Veranstaltungsreihe sind folgerichtig Jugendliche im Alter von 15 bis 27 Jahren, die zum großen Fanrepertoire des SV Babelsberg 03 und dessen Umfeld gehören. Zu diesen gehören selbst verständlich auch zahlreiche Studierende der Universität Potsdam und anderer Hochschulen.
Angesichts des sportlichen Aufstiegs in die Regionalliga Nord und damit verbundenen Zuschauerzuwachses und hinsichtlich ihres gesteigerten Interesses in und um die Aktivitäten des Babelsberger Fußballs ist ihre Aktivierung und Gewinnung für diese Thematik notwendig wie unkompliziert.