Was bereits lief…

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Die zweite Veranstaltungsreihe: Mai/Juni 2008

Tatort Stadion

Der Vortrag “Tatort Stadion” am 2. Juni 2008 bot einen Überblick über die verschiedenen Ausdrucksformen der Diskriminierung in Europas Fußballstadien. Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und Homophobie sind im Stadion nicht weiter verbreitet als in der Gesamtgesellschaft auch, sie treten nur lautstärker zu Tage. Kein Wunder, dass Fußballstadien immer wieder von organisierten Neonazis als Raum politischer Agitation und zur Rekrutierung neuer Mitglieder genutzt wurde.

Nicht nur rassistische Tendenzen in den jeweiligen Fanszenen, sondern auch die Rolle von Spielern, Funktionären und Medien bei der Verbreitung rassistischer Ressentiments wurden kritisch hinterfragt.
Ausgehend von den Anfängen rassistischer Schmähungen in Deutschland in den 80ern, wurde die heutige Lage analysiert und auch auf die Situation in den Stadien des übrigen Europas hingewiesen.

Weiterhin wurden die Reaktionen diverser Vertreter der sogenannten “Fußballfamilie” auf rassistische Vorfälle thematisiert. Gegenströmungen und -initiativen aus der Fanszene wurden ebenfalls vorgestellt.

Filmabend mit „Die Fans sind wir“ am 28. Mai 2008 im studentischen Kulturzentrum

Die Fans sind wirFünfunddreißig Jahre Fan Geschichte – berichtet von denen, die sie erlebt und mitgestaltet haben. Fünfzehn Fans von Werder Bremen erinnern sich an ihr erstes Spiel im Stadion, berichten von Kuttenzeiten und fragen sich, wo ihre Schals geblieben sind. Wehende Fahnen und fliegende Fäuste lassen die Begeisterung für ihren Verein spüren – wie die Mühen, ihren Platz in den Kurven der Stadien zu finden. Frühere Kontrahenten geben Einblicke in teilweise irreale Mechanismen der Auseinandersetzungen, auf die die Protagonisten von damals heute selbst erstaunt schauen. Aber auch die jungen Ultras kommen zu Wort und denken laut über die rasenten Veränderungen in der Welt des Fußballs nach.

BierkurveAnschließend gab es den Film „Bierkurve – im Halbfinal“ zu sehen. Der FC Winterthur hat eine spezielle Fangemeinschaft, die Bierkurve. Benannt nach dem Lieblingsplatz im Stadion, vor dem Bierstand. Die Bierkurve ist eine bunte Gruppierung, die sich selbst und den Fussball nicht todernst nimmt. Sie zeichnet sich auch durch kreative Aktionen innerhalb und außerhalb des Stadions aus und sie positioniert sich eindeutig: Für den FCW gegen Rassismus – in den Stadien und überall.
Die Kurzdokumentation porträtiert die Fans am Spieltag, der den Höhepunkt der letzten 31 Vereinsjahre bedeutet.

Am 21. Mai 2008 zeigten wir den Film “Rise of the Footsoldier” im Fanladen babelsberg. Aus der Beschreibung des Films:

Rise of the Footsoldier

Rise of the Footsoldier follows the inexorable rise of Carlton Leach from one of the most feared generals of the football terraces to becoming a member of a notorious gang of criminals who rampaged their way through London and Essex in the late eighties and early nineties.

It is three decades of his life following him from football hooliganism, through to his burgeoning career as a bouncer, his involvement in the criminal aspects of the early ‘rave’ scene and subsequently to his rise to power as one of the most feared and respected criminals in the country.

The story concludes with three members of his firm being brutally murdered in the infamous shot-gun slaying at Rettenden.

Am 26. Mai 2008 luden wir unter der Überschrift “Fußball & Gender: Kommt da was ins Rollen?” zur Lesung in den Buchladen Sputnik ein: Doppelter Weltmeisterinnen-Titel hin oder her Fußball gilt in Deutschland weiterhin in erster Linie als Männersport und hat auch sonst nicht den allerbesten Ruf, wenn es um Gleichberechtigung und Teilhabe von Menschen unterschiedlichen Geschlechts, sexueller Orientierung, Herkunft oder Hautfarbe geht. Wir wollen verschiedene Aspekte der Geschlechterrollen und -bilder im Fußball darstellen und insbesondere der Frage nach einer möglichen politischen Veränderbarkeit nachgehen: Tun sich vielleicht erste Löcher im Zaun rund um das Männer-Reservat Fußball auf oder werden die Barrikaden angesichts einer stärkeren Thematisierung von Homophobie und Sexismus im Fußball eher noch verstärkt?

mit: Nicole Selmer - ist selbst Fußballfan und schreibt seit einigen Jahren zum Thema Fußball & Geschlecht, sie ist Autorin von „Watching the Boys Play – Frauen als Fußballfans“, Mitherausgeberin des Sammelbandes „gender kicks. Texte zu Fußball und Geschlecht.“ und im Netzwerk F_in Frauen im Fußball aktiv.

und: Tanja Walther spielte lange Zeit beim 1.FFC Turbine Potsdam. Sie ist Sportwissenschaftlerin und setzt sich seit einigen Jahren für die European Gay and Lesbian Sport Federation (EGLSF) und deren Bestrebungen gegen Diskriminierung ein.

Am 19. Mai 2008 fand die Lesung “Im Schatten des Spiels” mit dem Autoren des gleichnamigen Buches, Ronny Blaschke, im Buchladen Sputnik statt.

Im Schatten des SpielsKaum war die großartige Fußball-Weltmeisterschaft vorbei und Gastgeber Deutschland als weltoffenes Land gepriesen, so zeigten sich unübersehbar auch hässliche Seiten im Fußball: gewaltsame Rangeleien unter “Fans”, rassistische Schmähungen gegenüber dunkelhäutigen Spielern, antisemitische Pöbeleien.
Autor Ronny Blaschke schildert ausführlich die jüngere Entwicklung in Deutschland, beleuchtet aber auch die Szene der Hooligans in England und anderen europäischen Ländern. Eindrucksvoll dokumentiert er die Situation der Opfer, beispielsweise eines nigerianischen Spielers in Leipzig, der Spieltag für Spieltag mit Anfeindungen zu kämpfen hat. Zugleich fragt Blaschke nach den Ursachen des Phänomens, etwa im ausführlichen Porträt eines ehemaligen deutschen “Hools”, der kritisch seine Vergangenheit reflektiert. Und er prüft die Gegenstrategien von Fanprojekten und Ordnungskräften, wobei insbesondere das Vorgehen der Polizei auch bei friedlichen Fans nicht selten auf Kritik stößt.

Eine längst fällige Betrachtung von Gewalt im Fußball, die engagiert argumentiert, ohne übertriebene Horrorszenarien zu zeichnen.

Fußballgöttinnen

Am 14. Mai 2008 führten wir den Film “Fußballgöttinnen” im Theatersaal des studentischen Kulturzentrums vor.

Vier Frauen, ein Herz. Was haben eine Schiedsrichterin eine Weltmeisterin, ein Fan und eine Platzwartin gemeinsam? Fußballgöttinnen versucht anhand von vier konkreten Beispielen zu erklären, welche Positionen Frauen heute beim Fussball einnehmen.

Beatrix, Tina, Trautchen und Viola stehen in ihrem Umfeld in einem besonderen Licht und jede von ihnen erzählt ihre ganz persönliche Geschichte. Ob Du 16 oder 64 bist, Du bist selber für die Erfüllung Deiner Träume verantwortlich…

Am 8. Mai 2008 luden wir zur Infoveranstaltung: “Gewaltbereitschaft der polnischen Fußballfans… eine Gefahr für die EURO 2008?” in die Stadtteilkneipe Nowawes ein. Thema war die polnische Fußballfanszene: Ein Vergleich zu Deutschland und der Ausblick auf die Fußball-Europameisterschaft 2008.

Dariusz Lapinskivon und mit: Dariusz Lapinski, Dr. phil., studierte Politikwissenschaften in potsdam (1990-1995), seit 1998 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Europa-Universität Viadrina (Lehrstuhl für Philosophie, philosophische Grundlagen kulturwissenschaftlicher Analyse, Fakultät kulturwissenschaften), Promotion über die Weltanschauung des polnischen Rechtspopulismus 2004, Autor des Projektes “Fußballkultur in Polen 2012″ zur Errichtung
der pädagogischen Fanarbeit in Polen.

Filmplakat Escape To Victory

Am 5. Mai 2008 zeigten wir im Rahmen der AStA-Montagskultur den Film “Escape to Victory” im studentischen Kulturzentrum. Während des Zweiten Weltkriegs schlägt der fußballbegeisterte Major von Steiner ein Fußballspiel zwischen Deutschen und gefangenen Alliierten vor. Während die Nazis das Spiel als Propaganda gutheißen, sind die Gefangenen unter der Führung von Captain John Colby gerade aus diesem Grund misstrauisch. Doch als sich die Möglichkeit einer Flucht bei dem Spiel in Paris abzeichnet, sagen sie zu. So kommt es zu einem denkwürdigen Spiel, bei dem die Deutschen sehr viel Härte zeigen und früh in Führung gehen. Doch als in der Halbzeit der Zeitpunkt für die Flucht kommt, denken viele plötzlich mehr an eine Revanche auf dem Spielfeld… Einer der berühmtesten Fußballfilme mit Sylvester Stallone und Pelé als Spieler der amerikanischen Mannschaft.

Die Aktionswoche im November 2007

Die erste Veranstaltungsreihe lief bereits im November 2007 unter dem Titel “Die Schattenseiten der Faszination Fußball” - allerdings mit einem anderen Themenschwerpunkt und innerhalb einer Aktionswoche

Der Flyer im November 2007

Am 12. November fand im Theatersaal des studentischen Kulturzentrums ein Filmabend statt. Im Rahmen der asta[montagskultur] wurde der Kurzfilm von Marlene Assmann über ihr Fußballteam „Al Dersimspor” gezeigt. Im Anschluss gab es die Dokumentation „Gate 8″ über die Ultras Nürnberg zu sehen.

Auf einen Referatsvortrag von George Lipphard am 13. November mit anschließender Diskussion im Wohn- und Kulturprojekt U-24 zum Thema „Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus und Gewalt im ukrainischen Fußball” folgte am 14. November der dritte Veranstaltungstag. An diesem stellte der Regisseur Ayat Najafi im Presseraum des SV Babelsberg 03 seinen im Jahr 2005 produzierten Film „Move it” vor. Im Anschluss war der auf der Berlinale 2006 gezeigte Film „Offside” aus dem Jahr 2005 zu sehen. Danach bestand Gelegenheit Marlene Assmann, den iranischen Regisseur, und einen aus dem Iran stammenden SV Babelsberg 03-Fan in einem vom Fanbetreuer Gregor Voehse moderierten Gespräch kennen zu lernen.

Am 15. November gab es die Möglichkeit in den Räumen des Babelsberger Fanprojektes in der Karl-Gruhl-Straße einen Vortrag des Bündnis Aktiver Fußballfans (BAFF) über Diskriminierung im deutschen Fußball zu lauschen.

Am letzten Tag, dem 16. November, gab es im Fanprojekt wieder einen Filmabend: Diesmal ging es um die Schattenseiten der Weltmeisterschaft 2006.

Die Protagonist_innen

George Lipphard arbeitet als Sozialpädagoge in Berlin und geht unregelmäßig zum Fußball. Seit 1999 fährt er jährlich in die Ukraine, geht natürlich dort auch nach Möglichkeit zum Fußball und beobachtet die Entwicklung verschiedener Subkulturen. Ende 2006 schrieb er seine Diplomarbeit zu dem Thema „Die Übertragbarkeit von Fanarbeitskonzepten aus Deutschland nach Osteuropa am Beispiel Ukraine. Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus und Gewalt im ukrainischen Fußball”, auf der der Vortrag basiert.

Ayat Najafi ist 31 Jahre alt kommt aus den Iran und ist Regisseur von „Move It” und arbeitet zusammen mit Marlene Assmann am Filmprojekt „Football under Cover”.

Marlene Assmann spielt in der Frauenmannschaft von Al Dersimspor aus Berlin-Kreuzberg Fußball. Sie spielte am 28. April 2006 mit ihrer Mannschaft gegen die iranische Nationalmannschaft in Teheran. Es war das erste öffentliche Spiel in einem Teheraner Stadion für die iranischen Fußballerinnen, die bisher nur hinter verschlossenen Hallentüren kicken durften

Gregor Voehse ist Sozialarbeiter des Diakonischen Werks Potsdams und Leiter des Fanprojekts Babelsbergs seit 2001.

Das Bündnis Aktiver Fußballfans (BAFF) wurde 1994 in Hamburg mit dem Ziel der Vertretung der Interessen der von Stigmatisierung betroffenen Fußballfans gegründet. Sie sind Herausgeber von verschiedenen fußballspezifischen Informationsbroschüren, Büchern und Organisator der Wanderausstellung „Tatort Stadion”.

Die Veranstaltungen im November 2007